Systemisches Denken
Systemisches oder auch vernetztes Denken ist Teil von unserer „Permakultur-Brille“. Das Gegenteil davon wäre ein isolierter Blick auf einzelne Elemente. In lebendigen Systemen hingegen, ist alles miteinander verbunden – Beziehungen, Wechselwirkungen und Kreisläufe verweben sich zu einem großen Bild.
Neulich beim Fastenbrechen nach sieben Tagen nichts essen, lag ein Apfel und etwas Erdnussbutter vor mir auf dem Teller. Beim ersten, saftigen Biss in den Apfel schloss ich die Augen und vor meinem inneren Auge entstand eine rückwärtslaufende Bilderfolge: die Apfelernte im Herbst, die weiße Blüte im Frühling, eine bestäubende Biene, viele Jahre zuvor pflanzte ein Mensch dieses kleine Apfelbäumchen. In diesem Moment spürte ich eine tiefe Verbundenheit – unabhängig von Zeit und Raum.
Hat der Baum vor meiner Haustür etwas mit mir zu tun?
Und verändert sich etwas in der Umgebung, wenn er nicht mehr da wäre?
Systemisches Denken lädt uns ein, genau solche Fragen zu stellen.
Für die Balance eines lebendigen Systems sind einige Grundlagen entscheidend:
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Feedback: Systeme reagieren auf Veränderungen und geben Rückmeldungen.
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Qualität der Beziehungen: Entscheidend ist nicht nur, welche Elemente vorhanden sind, sondern wie sie miteinander verbunden sind.
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Redundanz: Wichtige Funktionen sollten mehrfach abgesichert sein.


„Die Stadt erschien wie eine Symbiose aus Hightech und Urwald. Magnetbahnen fuhren zwischen tropischen Bäumen umher. Große Sträucher sprossen aus eindrucksvollen Stahlbauten und überall umwucherten Kletterpflanzen die Fassaden der Häuser.“
Permakultur arbeitet deshalb oft mit Gemeinschaften von Pflanzen und Organismen, die sich gegenseitig unterstützen. Ein klassisches Beispiel ist die Obstbaum-Gilde: verschiedene Pflanzen erfüllen unterschiedliche Funktionen – sie lockern den Boden, liefern Nährstoffe, ziehen Bestäuber an oder schützen vor Schädlingen.
Ein einfacher Satz bringt dieses Denken auf den Punkt:
Wer Schmetterlinge liebt, muss Raupen füttern.
Wer Fledermäuse liebt, muss Schmetterlinge füttern.
Wenn wir ein Element verändern, verändert sich auch das gesamte System. Das gilt in der Ökologie genauso wie in unserem Alltag. Jede Entscheidung wirkt über Beziehungen weiter – manchmal sichtbar, manchmal verborgen.
Alles hängt zusammen.